Interview

Der Wandel als Konstante.

Am 1. April 2009 wurde der 4. Generationswechsel in der Unternehmensgeschichte der Hund Büromöbel GmbH begangen. Dieter Hund, der das Unternehmen seit 37 Jahren mit gestaltete, trat in den Ruhestand und konnte die ü̈hrungsverantwortung an seinen Sohn André Hund weitergeben. Zusammen mit Hendrik Hund, Geschäftsführer der Hund Büromöbel GmbH seit 1993, wird er die Geschicke des Unternehmens in Zukunft lenken. Ein Gespräch mit den drei Unternehmerpersönlichkeiten der Hund Büromöbel GmbH gab Aufschluss darüber, welche Ereignisse das Unternehmen in der Vergangenheit besonders prägten, welche Stärken den Erfolg der Hund Büromöbel GmbH ausmachen und welche Herausforderungen in Zukunft zu bewältigen sein werden.

Dieter Hund, 2009.
Hendrik Hund, 2009.
André Hund, 2009.

Dieter Hund im Gespräch.

90 Jahre Hund Büromöbel – davon 18 Jahre am Standort Sulzdorf. Wo ist es schöner, im Schwarzwald oder im Fichtelgebirge?

Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich kaum beantworten kann. Ich lebe gerne in Franken, die Region birgt viele Reize, die es vor allem während meines Ruhestands ausgiebig zu entdecken gilt. Aber das Herz hängt durchaus auch noch in meiner Heimat, dem Schwarzwald – von dem ich bis heute Chroniken sammle und über ihn auch schreibe – wohl auch deshalb, weil ich meine Heimatregion wie meine eigene Westentasche kenne und genau weiß, welche Wanderrouten für mich die schönsten sind und wie ich das Wandern mit gutem Essen verbinden kann.

Gibt es ein Rezept dafür, 90 Jahre erfolgreich im Rennen zu bleiben?

Das Rezept für ein erfolgreiches Unternehmen ist aus meiner Sicht eigentlich ganz einfach: Erstens sollte man die privaten Interessen immer den geschäftlichen nachstellen. Das Firmenvermögen muss unter allen Umständen als finanzielles Polster und Schutz für schlechte Zeiten zusammen bleiben. Zweitens wird sich kein Erfolg einstellen, wenn nicht hart gearbeitet wird. Man darf sich nicht nur darüber freuen, dass man etwas in die Wiege gelegt bekommen hat, man muss pflichtbewusst arbeiten und dafür kämpfen, dass man auch an die nächste Generation wieder etwas weiterreichen kann. Und drittens braucht man natürlich Glück – z. B. in der Auswahl der Mitarbeiter. Als Geschäftsführer kann man nur initiieren und motivieren, aber man braucht natürlich auch kompetente und vertrauenswürdige Mitarbeiter, die sich gemeinsam für den Erfolg des Unternehmens einsetzen.

Was bedeutet es für Sie ein Familienunternehmen zu führen?

Die Verantwortung, die Ihnen bei der Übernahme eines Familienunternehmens auferlegt wird, prägt natürlich. Mittelständische Unternehmen gehen oft an zwei Dingen zugrunde: Entweder bedeuten Streitigkeiten der Gesellschafter das » Aus « des Unternehmens, oder ein Generationswechsel, oft auch in Verbindung mit Erbauseinandersetzungen, gefährdet das Weiterbestehen. Beides muss man unbedingt vermeiden. Es gibt immer Auseinandersetzungen zwischen den Generationen und man empfindet die Meinung der älteren Generation hin und wieder als überholt – das ging mir und sicher auch meinem Vetter nie anders. Rückblickend stellt man jedoch fest, dass es sich dabei um ein wichtiges Wechselspiel handelte, von dem man nicht nur persönlich, sondern auch das Unternehmen profitieren konnte. Das oberste Ziel in einem Familienunternehmen sollte immer der Schutz des Unternehmens sein. Und natürlich sollte man nicht vergessen, dass Arbeit auch nur dann Spaß machen kann, wenn die Inhaber zusammen an einem Strang ziehen.

Apropos Generationswechsel – wo liegen eigentlich die Unterschiede zwischen einem Schreibtisch von 1960 und einem von 2009?

In den 60er Jahren wurden die Ansprüche an Arbeitsplätze langsam größer. Die Organisationsmöglichkeit eines Schreibtisches trat in den Vordergrund. Ein Organisations-Schreibtisch musste nun wandelbar und flexibel sein. Heute ist der Schreibtisch meist nur noch eine bloße, schmucklose Arbeitsplattform. Persönlichkeit und Intimsphäre bleiben dabei meist auf der Strecke, da kaum mehr Möglichkeiten für die individuelle Gestaltung von Arbeitsplätzen gegeben sind. Die Aufgabe von Hund Büromöbel ist es deshalb, Möbelsysteme und Manufaktur sowie Dienstleistung zu verbinden, um sie in ihrer Ganzheit wertvoller zu gestalten.

Wie steht Hund Büromöbel zu Trends wie dem » Cradle- To-Cradle-Prinzip «?

Der recyclebare Schreibtisch ist schon lange Thema und auch für Hund Büromöbel natürlich nichts Neues. Im Moment kommt jedoch neuer Wind in das Thema Umweltschutz, da es von amerikanischen Büromöbelfirmen besonders gepusht wird. Verschiedene Prüfzeugnisse stehen zur Diskussion. Für Hund Büromöbel stellt sich aber die Frage, welcher Richtung dieser unterschiedlichen Zertifizierungsansätze man folgen soll. Sollte der bso als Verband die Flut von Zertifikaten nicht kanalisieren, wird sich Hund Büromöbel voraussichtlich dem » Blauen Engel « als Umweltkennzeichnung zuwenden. Fraglich ist dann nur, wie sich das mit der steigenden Nachfrage nach Tropenhölzern wieder verträgt und wie weit man sich diesem Trend dann entziehen kann ...

Welche Bedeutung haben Kooperationen mit Experten verschiedener Fachrichtungen für Hund Büromöbel?

Kooperationen sind wichtig und grundlegend für den Erfolg eines Unternehmens. Die Zusammenarbeit mit Experten unterschiedlichster Fachrichtungen gab es aber schon immer – wenn sie auch nicht immer ganz so spektakulär abliefen, wie dies mit Frau Heike Falkenberg (Heike Falkenberg entwarf die M-Line Büromöbelserie für Hund Büromöbel) mit der Serie M-Line im hochwertigen Design-Bereich oder in der Raumakustik mit Herrn Dr. Christian Nocke (Dr. Christian Nocke ist Experte auf dem Gebiet der Akustik-Forschung und kooperierte mit Hund Büromöbel in der Entwicklung akustischer Büromöbelsysteme) mit dem Feldversuch zur Lärmdämmung mit unseren Möbelsystemen beim Direktschall der Fall waren. Dennoch musste man sich immer schon mit Spezialisten anderer Technikbereiche unterhalten, um die richtigen Voraussetzungen in den Möbeln schaffen zu können. Beispielsweise traf dies für die Elektrifizierung der Schreibtische zu, deren erste Kabelkanäle viel zu klein und zu eng waren. Bei der nachträglichen Installation von IuK-Systemen, Telefon und Drucker, wurde der wirkliche Bedarf an Stauraum und Kabelkanalquerschnitt deutlich. Viele Schreibtischsysteme mussten damals ihre technischen Möglichkeiten nachrüsten. Das wäre nicht passiert, hätte man sich gleich mit dem Fachmann unterhalten! Dies traf z. B. auch zu bei der Entwicklung von Callcentern mit den hohen Schalldämmwerten und ihrer Sprachtechnik, bei Konferenzanlagen mit der Beamer- und Simultantechnik. Die Kunst liegt also darin, die richtigen Kooperationspartner zum richtigen Zeitpunkt für sich zu gewinnen und daraus Erkenntnisse für die Optimierung des eigenen Produktes zu ziehen. Dies ist Hund Büromöbel z. B. mit dem Sileno-System zur Lärmdämmung im Direktschall in Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Nocke und dem Akustikbüro in Oldenburg hervorragend geglückt.

Hund Büromöbel steht nun wieder ein Generationswechsel bevor. Was wollen Sie Ihrem Sohn mit auf den Weg geben?

Erfolg ist immer mit Arbeit und Mühe verbunden – das wird sich auch in der Zukunft für meinen Sohn nicht ändern. Hund Büromöbel hat sich in den 80ern für die Entwicklung innovativer Möbelsysteme entschieden. Mit dem Systemmöbel- Bereich und den in der Manufaktur hergestellten Design-Produkten stellt Hund Büromöbel komplexe Objekteinrichtungen her. Mit dieser Neuausrichtung hat Hund Büromöbel ein Unternehmensziel entworfen, das uns als mittelständischem Unternehmen auch in Zukunft eine Existenzberechtigung geben wird und das mein Sohn nicht aus den Augen verlieren möge.

Hendrik Hund & André Hund im Gespräch.

Erich Sixt hat einmal gesagt: » Der Auftrag des Unternehmers heißt, Geld verdienen. Und sonst nichts. « Was meinen Sie denn dazu?

Hendrik Hund: Von diesen Verkürzungen halte ich nichts. Natürlich muss man Geld verdienen, das ist ein wirtschaftlicher Zwang. Aber Geld zu verdienen funktioniert nur mit einem gesunden Unternehmen, und das setzt sich wiederum aus vielen Faktoren, wie z. B. einer zufriedenen, produktiven Belegschaft und einem gesunden Kunden- und Lieferantenumfeld zusammen.

André Hund: Langfristig muss ein Unternehmen natürlich Gewinn abwerfen, daran besteht kein Zweifel. Trotzdem ist diese Aussage viel zu kurz gegriffen und passt nicht in unsere Unternehmensphilosophie. Einige Mitarbeiter sind bereits 30 oder 40 Jahre bei uns beschäftigt, und das Unternehmen ist zum festen Bestandteil ihres Lebens geworden. Umgekehrt baut Hund Büromöbel auf das Know-how langjähriger Mitarbeiter, die Zeit, Energie und Herzblut in ihre Arbeit stecken. Es geht also um Vertrauen und eine gewisse Gegenseitigkeit, die langfristigen Erfolg ausmachen. Für uns als Familienunternehmen steht nicht der Profit, sondern vor allem das Wohl unserer Mitarbeiter im Vordergrund – denn nur, wenn wir unseren Mitarbeitern die Chance bieten, beruflich und persönlich weiter zu kommen, profitiert auch das Unternehmen.

Herr Hund, welche Ereignisse waren rückblickend besonders wichtig für das Unternehmen?

Hendrik Hund: Besonders bedeutend war sicherlich die Konzentration auf die beiden Standorte Biberach und Sulzdorf Ende der 90er Jahre. In Zusammenhang mit dieser Umstrukturierung haben wir uns auch in der Produktentwicklung, damals mit Yellow Design (Das Pforzheimer Designbüro Yellow Design entwarf für Hund Büromöbel die Büro-Systeme Metrum, Votus und c4.), neu aufgestellt. Die Logistik zwischen den Standorten war allerdings eine Herausforderung für uns, da wir ursprünglich einen anderen logistischen Ansatz mit zwei getrennten Endmontagen und zwei getrennten Vorfertigungsbereichen verfolgten. Aber wir brachten ja auch schon Erfahrungen mit, da wir immer schon zwei getrennte Standorte, früher Wolfach und Biberach, führten. Heute steht fest, dass wir aus den getrennten Standorten mehr Vorteile als Nachteile ziehen.

Wo werden in Zukunft die größten Herausforderungen für die Hund Büromöbel GmbH liegen?

André Hund: Die aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland verweist auf schwierige Zeiten und stellt eine große Herausforderung dar. Deshalb ist es wichtig, geschlossen und gut aufgestellt zu sein, ein hochwertiges Produktportfolio anbieten zu können und eine starke Bilanz mit hoher Eigenkapitalquote aufzuweisen.

Hendrik Hund: Die größte Herausforderung liegt darin, Hund Büromöbel zu einer Marke mit Wiedererkennungswert zu entwickeln. Zweitens müssen wir daran arbeiten, Hund Büromöbel ein Alleinstellungsmerkmal zu verschaffen. Wir arbeiten daran, der einzige Büromöbelhersteller in Deutschland zu sein, der es schafft die Serienfertigung mit der Manufaktur zu versöhnen und erfolgreich eine Sowohl-alsauch-Strategie zu entwickeln. Dieses Alleinstellungsmerkmal wird uns auf dem Markt wahrnehmbar machen. Und drittens sollte Hund Büromöbel im Vertrieb international stärker präsent sein.

Seit 1.4.2009 bilden Sie das neue Geschäftsführer-Team von Hund Büromöbel. Was wird sich jetzt verändern?

Hendrik Hund: André bringt seinen eigenen Führungsstil mit, was dem Unternehmen einen frischen Impuls geben wird. Ich hatte schon mit seinem Vater ein sehr gutes Arbeitsverhältnis, das vor allem von einem Gebot geprägt war, keine Familienangelegenheiten in das Unternehmen zu tragen. Und dabei wird es auch in Zukunft bleiben. Außerdem hatten Dieter und ich immer Spaß an unserer Arbeit, und ich habe den Eindruck gewonnen, dass das auch auf André zutrifft. Spätestens seit der gemeinsamen Bearbeitung des russischen Marktes und unseren vielen Auslandsreisen habe ich ein ebenso freundschaftliches Verhältnis zu André entwickelt, wie ich es zu seinem Vater aufbauen konnte.

André Hund: Der Führungswechsel ist nicht gerade ein alltäglicher Schritt, weder für mich noch für das Unternehmen. Deshalb sollte man sich langsam und behutsam annähern. Natürlich habe ich eigene Ideen und Vorstellungen, die ich verwirklichen möchte. Trotzdem steht das Kooperationsgebot bei Hund Büromöbel immer noch an höchster Stelle und muss gelebt werden. Seit meinem Einstieg bei Hund Büromöbel konnte ich ein vertrauensvolles und freundschaftliches Verhältnis zu Hendrik aufbauen, den ich fachlich aber auch menschlich sehr schätze. Entscheidungen werden also nicht von mir alleine getroffen – und das ist gut so. Deshalb habe ich auch immer ein offenes Ohr für Ratschläge und außerdem ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Vater, das mir die Möglichkeit gibt, von seinem Erfahrungsschatz profitieren zu können.

Welche Ziele und Strategien werden Sie in Zukunft verfolgen?

Hendrik Hund: Die Markenentwicklung wird ein ganz entscheidender Dreh- und Angelpunkt sein, weil sie nicht nur eine reine Marketingaufgabe darstellt, sondern die entsprechenden Produkt- und Dienstleistungen dahinter stehen und lieferbar sein müssen. Interne Abläufe wie die Produktion im Bereich der Auslieferung, Montagen, Beratung – all diese internen Abläufe so zu drehen, dass die Botschaft auch wirklich durch harte Fakten ein Fundament erhält, das wird mindestens für die nächsten 3 Jahre das vornehmliche Ziel der Hund Büromöbel GmbH darstellen.

André Hund: Ziel wird es in jedem Fall sein, die Exportquote im Vertrieb zu steigern, auch wenn wir nicht über die Kapazitäten eines Großkonzerns verfügen. Eine Sensibilisierung für den internationalen Markt ist wichtig, um sich mit anderen Unternehmen auf dem internationalen Parkett messen zu können. Darüber hinaus lässt sich über eine konsequente Marketingstrategie noch viel Potential ausschöpfen. Es gilt, eine größere Wahrnehmung auf dem Markt, ein stimmiges Image und eine stärkere Bindung des Fachhandels zu erreichen. Ein weiteres Ziel wird die Stärkung der internen Kommunikation, vor allem zwischen den Standorten sein. Eine offene Unternehmenskultur ist mir sehr wichtig, da Mitarbeitern nur dann die Chance gegeben wird, sich mit ihren Ideen und Vorstellungen in das Unternehmen einzubringen. Eine gute Geschäftsführung sollte den angemessenen Rahmen für offene Kommunikation und vertrauensvolle Zusammenarbeit bieten – und dafür werde ich mich in Zukunft gerne einsetzen.

Herr Hund, geben Sie Ihrem neuen Partner einen Tipp: Woher nimmt man die nötige Führungskraft?

Hendrik Hund: Ich gehe immer Fahrrad fahren, wenn ich neue Energie und Ideen brauche. Dann nehme ich mein Mountainbike hoch in die Sonne und in das Licht, da kommen mir die besten Ideen.

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